Elebnisberichte rund ums Kinderheim

Schön mal anders oder eine große Herausforderung

Von Anfang Juni bis Anfang Juli 2018 besuchte die 18 jährige Lara im Rahmen einer schulischen Veranstaltung für 4 Wochen das Kinderdorf. Dabei setzte sie insbesondere ihre künstlerischen Fähigkeiten ein, um mit den Kindern zu arbeiten und die Anlage zu verschönern. Hier ihr persönlicher Bericht.

An unserer Schule haben wir ein etwas eigenartiges Projekt, die sogenannten Herausforderungen. Sinn dieser Herausforderung ist eine Unternehmung zu planen, bei welcher man fernab von Zuhause an seine persönlichen Grenzen stößt und diese Unternehmung dann natürlich auch in die Tat umzusetzen. Zweimal hatte ich das ganze schon gemacht und war nun etwas planlos wo es dieses Jahr hingehen sollte. Schließlich kam ich dann zu der Idee, dass man das Ganze ja mit einem Besuch in Steffis Kinderheim verbinden könnte. Steffi kannte ich davor schon, hauptsächlich aus Erzählungen meiner Mutter und ich war total begeistert von ihrem Engagement da unten.

Noch begeisterter war ich, als ich dann da war. Es ist echt der Wahnsinn was sie und der Verein da unten geleistet haben. Dank ihnen haben 14 Waisenkinder nun nicht nur die Chance auf ein besseres Leben, sondern auch ein wunderbares Zuhause. Das mit dem „Zuhause“ ist etwas schwieriger, wie Sheilla mir später erklärte, da Waisenhäuser in Kenia eigentlich nur eine Zwischenstation für die Kinder sein sollen. Auf mich wirkte der Ort allerdings nicht wie „nur eine Zwischenstation“, sondern eher wie das Zuhause einer großen Familie, in die ich von Mama Willimina auch gleich mit aufgenommen wurde. 

Auch zu den Kindern fand ich schnell einen guten Draht. Den ersten Tag waren sie noch etwas zurückhaltend, dass hatte sich dann aber auch ganz schnell gelegt. Es ist einfach unglaublich wie lebensfroh und unkompliziert sie sind, trotz der schwierigen Vergangenheit die einige durchleben mussten. Auffallend war aber auch, wie gut sie erzogen waren. Im Haushalt wurde fleißig mitgeholfen und Mama Willimina schien keine Schwierigkeiten zu haben 14 Kinder zu managen, während hier zwei Eltern mit einem Kind ja oftmals schon an ihre Grenzen stoßen. Ich weiß ja selber, wie ich vor ein paar Jahren noch so war und die Disziplin und der Ehrgeiz der Kinder ist echt bewundernswert. Aber auch das Kindsein kam nicht zu kurz. Jeden Nachmittag wurden sich mit den Nachbarkindern auf dem Fußballplatz ordentliche Matches geliefert und mittlerweile kann ich auch ein paar kenianische Klatschspiele. Ich hatte auch noch einige Spielsachen aus Deutschland mitgebracht und es ist echt der Wahnsinn wie sehr man sich über einen Fußball oder über Federball freuen kann. Mit Händen und Füßen habe ich es auch noch geschafft den Kleinen Mensch Ärger Dich Nicht beizubringen.

Auch bei den kleinen Malerarbeiten die ich im Dorf vornahm, halfen die meisten begeistert mit. Einige hielten zum ersten Mal einen Pinsel in der Hand und so entstand mit viel Mühe und Konzentration zum Beispiel eine Weltkarte in der Dininghall.

Ich lernte aber auch sehr viel, zum Beispiel wie man Ugali über offenem Feuer kocht (wobei ich darin immer noch nicht so gut bin), oder wie man seine Wäsche per Hand wäscht. Das Leben dort ist eben noch viel ursprünglicher beziehungsweise ärmer. In dem Kinderheim ließ es sich gut leben, es war natürlich ein wenig umständlicher als hier, aber alle Grundbedürfnisse sind gut erfüllt und einem wird erst mal klar wie unnötig so viele Dinge doch sind, die wir hier in Deutschland als essentiell ansehen. Man braucht keine Dusche, ein Wassereimer bringts auch und ein betoniertes Loch im Boden funktioniert auch als Klo. Betrachtet man jedoch das Leben rings herum wird einem ganz anders. Es ist alles unvorstellbar arm und die Zustände unter welchen einige Menschen leben müssen, sind unzumutbar.

Den absoluten Kulturschock habe ich dann bekommen, als wir mit Cornel, wegen seiner gebrochenen Schulter, ins Krankenhaus gefahren sind. Das war mit Abstand der ekligste Ort den ich je gesehen hatte. Die Decke gammelte, auf dem Boden waren undefinierbare Flüssigkeiten ausgelaufen und Spritzen lagen herum. Verbände und Bettbezüge wurden einfach grob per Hand gewaschen und dann gleich wiederverwendet und in einen Raum waren so viele Menschen mit den unterschiedlichsten Krankheiten gequetscht. Ständig sind Leute gestorben (das war glaube auch das erste Mal, dass ich eine Menschenleiche gesehen habe) und im Hintergrund hat immer irgendwo jemand geweint. In dem Gebäude war es total warm und stickig und einfach nur der Horror. Solche Zustände sollte man niemandem zumuten.

Es ist einfach scheiße, wie ungerecht die Verteilung auf der Welt ist. Während wir uns hier im unnötigen Wohlstand suhlen müssen Menschen in anderen Teilen der Welt unter erbärmlichsten Umständen ums blanke Überleben kämpfen. Nicht nur in anderen Teilen der Welt, wir teilen ja noch nicht einmal, wenn wir die Armut direkt vor der Tür haben. Ich hatte dort eigentlich durchgehend ein schlechtes Gewissen, einfach nur weil es uns so gut geht. Mit der Zeit wurde mir aber klar, dass es den Leuten dort nicht unbedingt schlechter geht, nur weil sie so arm sind. Die Menschen (zumindest die mit denen ich zu tun hatte) waren alle unglaublich herzlich und viel fokussierter auf die positiven Dinge im Leben, denn Materialismus ist nicht was glücklich macht.

Kenia ist ein unglaublich schönes Land, nicht unbedingt wegen der tollen Natur, welche so langsam vom Plastikmüll begraben wird und auch nicht wegen einfachen Städten aus Dreck und Beton. Es ist schön wegen der Menschen, die dort leben und es mit ihrer bunten Lebensfreude ausfüllen. Die teilweise schrecklichen Lebensbedingungen bleiben aber auch trotz dieser Schönheit bestehen und es ist zum Kotzen mit welcher Ignoranz so viele Menschen in den Industrieländern darüber hinwegsehen. Es gibt so viel was man tun kann, um zu helfen, aber statt die Initiative zu ergreifen nehmen wir mit unserem Konsumverhalten meist auch noch die Chance auf Entwicklung. Umso schöner ist es zu sehen, dass es Menschen gibt, die mit Herzblut gegen diese Ungerechtigkeit kämpfen.

Danke für die tollen Erfahrungen, die ich in den vier Wochen sammeln konnte (wobei vier Wochen natürlich viel zu kurz waren).